Die Letzten Wochen waren in Indien einfach unerträglich
heiß.
Während ich dauernd beschwerden aus dem viel zu kalte Deutschland
bekommen habe, bin ich im schlaf fast davon geschwommen. Ohne Witz, wir sind
auf gewacht und waren schweiß durch badet. Das war beim besten Willen nicht
mehr lustig und ich habe mich wirklich nach dem kalten Deutschland gesehnt.(;
Gerade haben wir Sommerferien und die Kinder sind für fast
zwei Monate nach Hause zu ihren Familien gefahren. Leider müssen die 10. Klässler
die gesamten Sommerferien hier an der Schule bleiben und lernen, da sie bald
ihren Abschluss machen. Was das für einen Sinn hat frage ich mich auch schon
die ganze Zeit.
Ungefähr einen Monat vor den Sommerferien haben die
Prüfungen angefangen und die Kinder mussten ununterbrochen lernen. Die
Prüfungen waren sehr wichtig für die Kinder, da es ihre Abschulsprüfungen waren
aber meiner Meinung nach wurde es mit dem lernen etwas sehr übertrieben. Wir
durften mit den Kindern nicht mehr raus zum Sportunterricht gehen, da die
Kinder lernen sollten.
Die Prüfungen habe immer 10 Uhr angefangen und wir waren
meistens als Aufpasser tätig. Wir haben dann die Prüfungen ausgeteilt und
aufgepasst, dass keiner abguckt.
Die Prüfungen bestanden eigentlich größtenteils aus „Abfragaufgaben“,
die Kinder mussten „nur“ etwas ankreuzen und auswendig gelerntes Wissen
anwenden. Sogar die Kindergartenkinder mussten schon Prüfungen schreiben. Naja,
wenn man es so bezeichnen kann. Die Prüfung bestand daraus, dass jedes einzelne
Kind sich bei der Lehrerin auf den Schoss gesetzt hat und zusammen mit der
Lehrerin etwas nach geschrieben hat. Meiner Meinung nach sollte man warten bis
das Kind wenigstens alleine seinen Namen schreiben kann bevor man anfängt
Prüfungen zu schreiben. An sich ging das ganze auch nicht sehr fair ab. Oft haben die Lehrer den Schülern geholfen oder
ihren sogar etwas vorgesagt.
Da wir mit unseren Hostelmädchen nicht mehr rausgehen
durften haben wir mit ihnen englisch geübt. Wir haben das ganze ziemlich locker
gestalten und haben mit ihnen z.b. englische Märchen gelesen und ihnen dann
dazu Fragen gestellt oder Arbeitsblätter erstellt. Wir haben auch am Abend viel mit den Mädchen gebastelt und
so sind die Kinder jetzt stolze Besitzer von selbst gebastelten Ketten und
legen ihre Bänder zum Flechten gar nicht mehr aus den Händen.(; Die Mädchen
sind mir unglaublich ans Herz gewachsen und ich könnte mir die Schule ohne sie
gar nicht mehr vorstellen. Umso trauriger macht es mich, dass ein groß Teil der
Kinder nach den Sommerferien nicht mehr da sind.:(
| Am letzten Schultag haben die Kinder ein ganz besondere Ritual. Es wird ganz viel Kuchen gekauft und man wird lustig mit Glitzer beschmissen. |
Wir vier haben unsere letzten Wochen zudem hauptsächlich mit
canvass verbracht. Cansvass
bedeutet übersetzt so was wie „Werbung machen“. Und genau das haben wir fast
jeden Tag gemacht. Wir sind mit Bubesh in verschiedenen Dörfer gefahren und
haben Plakate verteilt und neue Schüle für die Schule geworben.
An sich war es ganz lustig, wir saßen in verschieden
Wohnungen und wurden von den übergastfreundlichen Indern mit Kaffe, Tee, Süßen,....überschüttet.
Ich muss sagen, es war ab und zu schon sehr lustig und interessant aber oft auch extrem
langweilig, da kaum englisch gesprochen wurde und wir dadurch oft nur rum saßen.
Außerdem war es unübersichtlich,
dass wir hauptsächlich als Werbeschild mitgenommen wurden...
| Das sind alles unsere Lehrerinnen...man kann sich vorstellen was für ein Überfall das ist, wenn so viele Lehrerinnen vor einer Haustür stehen und Werbung machen.(; |
| Ein pinkes und ein orangenes Küken. So was findet man wirklich nur in Indien.(; |

Nach der ganzen unerträglichen Hitze kam endlich der langersehnte Regenschauer.
"Holi"

Diese Frucht haben wir neu kennen gelernt. Keine Ahnung wie sie heißt- aber sie schmeckt verdammt lecker nach süßem Popcorn.(:


Die letzten Nachmittage haben wir angefangen das
Klassenzimmer der LKG zu streichen (Kindergarten). Das Zimmer ist so trist und
grau- einfach keine schöne Umgebung für Kindergartenkinder. Wir haben das
Zimmer sauber gemacht, frisch gestrichen und gerade sind wir dabei Tier- und
Obstmotive an die Wand zumalen und die englische Übersetzung dazu zu schreiben.
Das ganze werden wir dann von den Spendengeldern absetzten.
Wir haben eine gefühlte Stunde versucht den blöden Farbeimer aufzubekommen...indische Technik halt.(;

Letztes Wochenende waren Kurt, Lina, To und ich in Tirupati.
Tirupati ist das größte Pilgercentrum Indiens und besitzt einen der reichsten
Tempel des Landes. Er ist nach dem Vatikan an zweiter Stelle der meistbesuchten
Pilgerorte der Welt.
Ein typisches Ritual in diesem Tempel ist, das man sich die
Haare abrasiert und genau das wollten die Jungs machen. Also sind wir sechs
endlos lange Stunden in den Nachbarstaat Andhra Pradesh gefahren. Dort
angekommen haben wir uns das scheinbar billigste Hotel direkt am Busbahnhof
gesucht (überseht von Kakalaken und Armeisen- war nicht so lustig dort zu
schlafen) und sind am nächsten Morgen losgewandert in Richtung Tempel. Es gibt
auch die Möglichkeit eine Stunde mit den Bus nach oben auf den Berg zu fahren
aber wir haben es ganz im Pilgerstil gemacht und sind vier stunden in der größten
Hitze zusammen mit hundert anderen Pilgerern den Berg hoch gewandert.
| Ritsch, Ratsch. Haare ab!(; |
Es ist wirklich unglaublich faszinierend, wie die Inder ihre
Religion ausleben. Wir standen eine Stunde lang an um in den Tempel zugelangen
und waren dann nur gefühlte 4 Sekunden im Tempel. Alle haben gedrängelt,
geschupst und der Namen des Gottes wurde laut im Chor geschrien. Jeder wollte
so nah wie nur möglich an der Götterfigur sein. Es war ein unglaublicher
Anblick.
Als wir nach unserem Wochenendausflug wieder zuhause waren,
ging es jeden Morgen früh um 7 zum Canvass.
Das wird jetzt noch ein paar Tage so weiter gehen- bis ich
endlich am Samstag meine Familie in Bangalore vom Flughafen abholen kann. Wir werden dann drei
Wochen zusammen rumreisen und den Süden erkunden. Die letzten zwei
Sommerferienwochen wollen Lina und ich vielleicht den Norden erkunden. Mal
sehen was sich so ergibt.










